Ich werde mich noch einmal- und hoffentlich das letztemal hier in Dachau bemühen, mich mit aller Kraft auf Goethe zu konzentrieren.
Meiner Ansicht nach ist Klärchen, Egmonts Geliebte, die menschlichste Gestalt des Stückes, so fraulich und so rein!
Ich habe eigentlich für sie viel mehr Sympathie als für Egmont , der im Grunde stets der Edelmann geblieben ist und derdie Freiheit, für die das Bürgertum kämpfte, niemals zu seiner Freiheit gemacht hat, sondern den ,, aufrührerischen" Bürgern zuruft: ,, Was an euch ist, Ruhe zu erhalten, Leute, das tut; ihr seid übel genug angeschrieben. Reizt den König nicht mehr, er hat zuletzt doch die Gewalt in Händen. Ein ordentlicher Bürger, der sich ehrlich und fleißig nährt, hat überall soviel Freiheit, als er braucht.
.. glaubt nicht, durch Aufruhr befestige man Privilegien. Bleibt zu Hause..."
Ähnliche Ratschläge haben wir in den letzten Jahren ja oft genug gehört! So viele Egmonts haben so zu denen gesprochen, die für die Freiheit kämpften...
Das Schießen flaut- zum Glück- nun etwas ab,
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Es scheint auch weiter entfernt zu sein.
Ich werde versuchen, doch noch weiterzulesen, aber es ist mir kaum jemals zuvor so schwergefallen.
Goethe hat doch wohl den wahren Charakter des historischen Egmont , so wie den des achtzigjährigen Krieges gut und scharf gesehen und auch gezeichnet, das beweist der grandiose Dialog zwischen Alba und Egmont :
,, Muß man doch von allen Seiten hören: es sei des Königs Absicht weniger, die Provinzen nach einförmigen und klaren Gesetzen zu regieren, die Majestät der Religion zu sichern und einen allgemeinen Frieden seinem Volke zu geben, als vielmehr sie unbedingt zu unterjochen, sie ihrer alten Rechte zu berauben, sich Meister von ihren Besitztümern zu machen..."
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