Abends 8 Uhr
Um drei Uhr begann es!
Die beklemmende Stille wurde plötzlich von Maschinengewehrfeuer und dem Geknatter von Handfeuerwaffen unterbrochen, das von den SS - Wachttürmen aus lebhaft beantwortet wurde. Das Schießen kam immer näher und wurde immer heftiger. Ich bin zur Totenkammer gegangen und mit Hilfe einer Leiter auf das flache Dach geklettert. Dr. van D. stand schon oben, und auch Steensma stieg herauf, trotz seines einen Beines.
Die Amerikaner waren im Anmarsch!
Wir konnten sie in der Ferne zwischen den Sträuchern bereits deutlich sehen!
Ganz langsam und vorsichtig kamen sie heran, ihre Maschinenpistolen im Anschlag, dann und wann auf die SS in den Wachttürmen zielend, von wo aus sie trotz der weißen Fahnen und Tücher- heftig beschossen wurden.
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Nicolai stand an der anderen Seite der Totenkammer auf einem Wagen und winkte mir. Ich ging zu ihm und von dort aus konnten wir ganz deutlich sehen, wie sich die amerikanischen Soldaten durch die Plantage vorwärtsbewegten: hinlegen, aufspringen, hinlegen, halbgebückt weiter, sich nach links und rechts deckend und sichernd, ihre ,, Stenguns" schußbereit- wie wir es hundertmal gesehen hatten: auf Bildern, in Illustrierten und im Kino.
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Unsere Blicke folgten ihnen wie hypnotisiert, Schritt für Schritt von Strauch zu Strauch , von Baum zu Baum, so daß ich erst viel später, als ich meinen Platz ändern wollte, gemerkt habe, daß ich auf einem Wagen mit... Leichen stand.
Es war genau 5.28 Uhr- nach der Uhr der Kommandantur- als sich das große Tor öffnete.
Das Schießen hatte aufgehört und alles rannte über den Appellplatz zum Tor. Unterwegs traf ich Hoornik, und wir liefen zusammen weiter.
Die SS - Männer im Torgebäude und in den Wachttürmen wurden von den Amerikanern heruntergeholt und niedergeknallt. Wir
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