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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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Abends 9 Uhr

War in Block 12, bei Piet, um die Anweisungen des Komi­tees durchzugeben. Die meisten Holländer liegen zur Zeit in Block 12, und mir ist dort aufgefallen, daß wir eigentlich, vergli­chen mit anderen Nationen vor allem mit den Franzosen , Deutschen, Polen und Italienern-, am ruhigsten sind, am beherrschtesten, am nüchternsten bleiben, obwohl wir genau so gut wie die andern wissen, daß diese Stunden über unser Leben entscheiden.

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Ich bin heute wirklich stolz darauf, Holländer zu sein ein Gedanke, der sonst nicht oft bei mir aufkommt, und un­willkürlich fielen mir die Worte Wilhelm von Oraniens ein: ,, Ruhig inmitten wütender Wogen."

Abends 11 Uhr

Adi berichtete eben sehr aufgeregt, daß das Sirenen­geheul heute früh eine ganz andere Ursache hatte, als wir glaubten.

Nicht: ,, Panzerspitzen im Angriff", sondern ein Trupp SS in der Stadt Dachau hat die Sirenen heulen lassen, um Hilfe aus dem SS - Lager herbeizurufen!

Grund: Einige aus unserem Lager entflohene deutsche und österreichische Häftlinge haben zusammen mit ein paar Mann vom Volkssturm einen Überfall auf eines der letzten SS­Bollwerke in der dortigen Gegend an der Nordbrücke

versucht.

Drei Häftlinge wurden getötet, einige andere verwundet, doch auch die SS hatte große Verluste. Das Chaos scheint nun- nach dieser unerwarteten Überrumpelung- so groß zu sein, daß alle Transporte eingestellt wurden und daß der gesamte Verkehr stilliegt.

Vielleicht ist das unsere Rettung...

Deutsche waren,

Ich habe Adi feierlich versprochen, später in meinem Bericht zu betonen, daß die meisten dieser Helden gute Deutsche...( Siehe Anhang 2)

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