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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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3.30 Uhr

Soeben wird gemeldet, daß die letzten SS - Leute dabei sind, unsere Roten- Kreuz- Pakete zu plündern.

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Beschluß: nicht darauf reagieren- plündern lassen sonst haben sie einen Vorwand zum Schießen.

In der Nähe der Poststelle scheinen bereits Spanienkämpfer dafür zu sorgen, daß es zu keinem Zusammenstoß mit der SS kommt.

4 Uhr

Ein Befehl aus der Schreibstube- von Ruppert, der also noch nicht weg ist: ,, Alle Franzosen sofort ins Große Bad zur Des­infektion"- um dann( angeblich) mit dem Roten Kreuz nach der Schweiz zu kommen...

Allgemeine, große Aufregung.

Also doch Rotes Kreuz... und keine ,, Evakuierung?

Aber mir fällt wieder Ossietzkys Ausspruch ein, von dem ,, des­infizierten Marterpfahl"!

Auch diesmal vielleicht: erst desinfizieren und dann...

Eine Stunde später

Widerruf und Gegenbefehl von Ruppert; die Franzosen , die bereits vor dem Bad angetreten waren, müssen augenblicklich wieder zurück in die Baracke!

7 Uhr

Ruppert hat mit der Hinrichtung der achthundertsiebenund­dreißig Mann gedroht, die auf seiner Liste stehen, sagte mir Adi.

Wir wissen beide, daß auch wir auf dieser Liste stehen, doch wir wissen ebenfalls, daß unsere Chancen auf Rettung mit jeder Stunde größer werden und daß sie heute schon wieder viel größer sind als gestern.

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