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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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' Abends 7 Uhr

Neuer Befehl: Alle Deutschen und Russen müssen auf Trans­port!

Die meisten von ihnen sind aber nicht zum Appellplatz ge­gangen, sondern blieben in ihren Baracken. Viele Russen neh­men zwar ihre Marschration in Empfang, verschwinden dann aber wieder.

Nicht gehen auf keinen Fall gehen!

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9 Uhr

Pim Boelaard gesprochen. Es ist also gut abgelaufen... Ruppert hat ihnen nur mitgeteilt, daß für die Angehörigen der ,, Westvölker" Lebensmittel aus Genf eingetroffen wären und hat ihnen sogar erlaubt, mit den Vertretern des Inter­nationalen Roten Kreuzes zu sprechen. Also wieder etwas zu essen. Wir hatten in all der Aufregung fast vergessen, daß keine Lebensmittel mehr da waren, daß wir hätten verhun­gern müssen, wenn nicht diese Sendung aus Genf gekommen wäre.

Wir atmen erleichtert auf- doch die Bedrohung bleibt.

Bekamen nicht in Scheveningen die zum Tode Verurteilten auch einige Stunden vor ihrer Hinrichtung noch Zucker und Butterbrote mit Käse?

Bleiben ,, sie" ihren betrügerischen Manövern treu- bis zu­allerletzt?

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Uns erst noch Essen geben vielleicht auch ein Stückchen Schokolade und ein paar Zigaretten, und dann... vor die Ma­schinengewehre.

Nachts 12 Uhr

Kein Geschützdonner mehr...

Keine Flieger...

Es ist unheimlich still.

Die Stille vor dem Sturm?

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