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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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Van L. ist ebenfalls NN und fürchtet, daß sie auch ihn holen werden. Mit ihm bei Fritz gewesen, ihn um Rat gefragt.

,, Fritz, mein Freund ist NN- ist er noch gefährdet?"

,, Schon möglich. Abgeschlossenes Verfahren?"

,, Nein, abgetrennt!"

,, Dann wird er wohl noch heute sterben müssen!"

Van L. und ich sahen uns an. War Fritz auch schon so ge­worden? Dachte er über Leben und Tod bereits wie ein pol­nischer Kapo? Er bemerkte unser Erstaunen, lächelte kaum merklich und wiederholte nochmals: ,, Dann wird er wohl noch heute sterben müssen."

,, Aber wir sind doch gerade zu dir gekommen, um..."

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,, Ihr seid Grünschnäbel! Noch nicht lange genug im Lager! Sonst hättet ihr mich längst verstanden. Also paẞt nun gut auf! Ich werde sofort Erkundigungen einziehen, ob die Sachbearbeiter der NN- Dossiers schon weg sind oder nicht. Sind sie noch nicht weg... dann muß dein Freund eben

sterben."

,, Aber Fritz..."

,, Beruhige dich nur!- Kannst du für eine Leiche sorgen?" Plötzlich hatte ich ihn verstanden und sagte: ,, Ja, wahrschein­lich von Block 17. In der Straße davor liegen genug. Zusam­men mit dem Pförtner der Totenkammer kann ich da eine un­bekannte Leiche wegholen."

,, Gut, van L. muß dann einen Zettel mit seiner Nummer und seinen Daten geben, und den bindet ihr dann der Leiche an die rechte große Zehe. Dann ist van L. offiziell gestorben, kommt in die Totenliste, und wenn, sie' ihn dann holen wol­len, bekommen sie von der Schreibstube die Meldung, daß er tot ist."

,, Und was habe ich zu tun?" fragte van L., sichtlich beein­druckt.

,, Nico weiß sicher einen Platz, um dich zu verstecken." ,, Ja, bei Gerhard, dem Blockältesten von 26, der wird schon ein Bett für ihn haben, in der obersten Reihe, wo sie ihn nicht so leicht finden."

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