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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
Entstehung
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2 Uhr

In der Desinfektion Entlausungspuder verschafft. Ich hatte in den letzten Tagen ganz vergessen, mich einzupudern, dabei sind überall noch viel mehr Läuse als in der vorigen Woche. Nur jetzt nicht etwa Flecktyphus bekommen!

Wenn ich hier sterben muß, dann bei vollem Bewußtsein, wis­send wofür- und mich bis zum Äußersten verteidigen.

11.30 Uhr

Kobziba aus der Schreibstube war soeben hier, um uns zu in­formieren, daß vor zehn Minuten offiziell beschlossen wurde, das gesamte Lager unverzüglich zu evakuieren. In einer hal­ben Stunde wird der Befehl ergehen: ,, Antreten auf dem Appellplatz, mit Gepäck."

Zweiunddreißigtausend Mann? Das ist doch praktisch unmöglich.

Werden wir heute Abend noch hier sein?

,, Wenn nur das Denken nicht so schwer wäre", sagte Goethe oft. Aber selbst damit kommen wir jetzt keinen Schritt weiter. Jetzt können nur noch Taten helfen.

Auf jeden Fall: Sabotieren, sabotieren bis zum letzten.

Nachmittags 3 Uhr

-

Kein einziger Häftling ist trotz des Befehls um zwölf Uhr auf dem Appellplatz angetreten.

Die von uns ausgegebene Losung: ,, Nicht gehen- in den Ba­racken bleiben- Nummern verwechseln", wurde also befolgt. Jedenfalls ist so wieder Zeit gewonnen.

5 Uhr

Außer General Delestrin wurden gestern noch fünfzehn andere NN- Häftlinge füsiliert( oder aufgehängt, das wissen wir nicht), und heute sind noch fünf aus dem Revier geholt worden.

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