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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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Abends

., Sie" scheinen noch keinen Beschluß über uns gefaßt zu ha­ben. Unserem jugoslawischen Freund aus der Lagerschreib­stube war, vor einer Stunde wenigstens, noch nichts bekannt. Wir scheinen noch insofern Glück zu haben, als sich die SS über das Schicksal, das sie uns bereiten will, nicht einig ist. Ruppert und seine Anhänger sind absolut für unsere Abschlach­tung oder Evakuierung( was auf dasselbe herauskommt), aber Weiß scheint dagegen zu sein. Ich fürchte jedoch, daß Rup­pert vor nichts zurückschrecken wird; das meint auch Fritz, und der kennt ihn... von Warschau her.

Warum sind die Amerikaner eigentlich noch nicht hier? Ich habe oft das Gefühl, daß sie Dachau nicht für so wichtig hal­ten. Natürlich ist es das eigentlich auch nicht, aber wenn ich so anfange zu überlegen, bliebe uns ja überhaupt keine Hoff­nung, hier jemals lebend herauszukommen.

22. April

Obwohl die Unruhe immer größer wird und alles durchein­anderläuft, sich einige durch die Verbreitung optimistischer Parolen selbst zu beruhigen suchen, andere ihrer Verzweif­lung Ausdruck geben, indem sie immer wieder verkünden, daß wir doch alle umgebracht werden würden, hat Suire hingegen heute nachmittag unserem kleinen Kreise einiges über Péguy erzählt eine Art Vortrag, der schon seit langem mit ihm verabredet war. Suire sprach über das Ar­beitermilieu in Orléans , dem P. entstammte; über seine Be­gegnung mit Lucien Herer und später mit Jean Jourges; und vor allem auch über Péguys Reaktion auf den Streik in Carmaux.

Suire las uns einige Kapitel aus ,, Jeanne d'Arc" vor, verweilte dann lange bei Péguys Haltung in der Dreyfus- Affäre und bei P.s Ansichten über die Freiheit die Freiheit der Rassen und des Glaubens.

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