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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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30. März

In dem Bett, in dem Bernard vor einigen Tagen gestorben ist, liegt seit gestern ein alter Spanier mit grauem Haar. Nie­mand hier kennt ihn, keiner von uns weiß etwas Näheres über ihn.

Ali, der polnische Chirurg, hat ihm gestern das rechte Bein amputiert.

Die ganze Nacht hindurch hörte ich den Spanier dann stöh­nen und rufen: ,, Madre!- Madre!- Madre!"

rufen: ,, Madre!

Mußte dabei unwillkürlich wieder an eine der Nächte in Ma­drid denken, als die Deutschen die Stadt bombardiert hatten und die verwundeten Soldaten im Lazarett, dicht neben un­serem Hotel, auch immer wieder nach ihrer Mutter riefen: ,, Madre! Madre!..."

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31. März

Hatte heute mittag 38,6.

Bekomme ich nun doch Flecktyphus?

Läuse habe ich nicht bei mir gefunden, und eingepudert habe ich mich heute bereits dreimal.

Abends

War bei Drost.

Es kann Flecktyphus sein, meinte er, aber mit Sicherheit ist das noch nicht festzustellen.

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Wenn wenn es aber Flecktyphus ist, werde ich ein Bett in Block 3 bei Arthur bekommen, und Drost will mir dann so­fort Rekonvaleszentenserum geben.

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ganz

Ich werde wenn es soweit ist ruhig und bewußt das Fieber abwarten, jeden Gedanken an das Sterben energisch von mir weisen!

Ich will den Sieg erleben, will weiter dabei sein- und weiter­kämpfen.

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