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29. März
Bei meinen täglichen Überlegungen zu einer Entdeckung gekommen, die ich später ausarbeiten will: viele wichtige Gestalten der deutschen Kulturgeschichte zeigen in ihrer Jugend die Neigung zu einem wehmütigen Suchen nach der mystischen ,, Blauen Blume", das dann nach einigen Jahren in einer Professur für orientalische Sprachen endet.
Nicht nur Friedrich Schlegel , der sich nach seinem Studium der deutschen Mystiker vor allem Böhmes und Eckarts- in Paris auf orientalische Sprachen spezialisierte und dort zu einem der deutschen Begründer des Sanskritstudiums wurde.
Auch Joseph Görres schrieb- nachdem er erst alte deutsche Legenden gesammelt hatte- seine ,, Mythengeschichte der asiatischen Welt".
Auch Schelling publizierte in vorgerücktem Alter seine ,, Gottheiten von Samothrake" und Prof. Creuzer seine ,, Symbolik und Mythologie der alten Völker". Und als der revolutionäre Georg Forster starb, fand man neben seinem Bette eine von ihm stammende Übersetzung der Sakuntala.
Beschloß nicht auch Wilhelm von Humboldt sein Leben mit einer Übersetzung des Mahabharata?
Gingen nicht auch Schopenhauer, Bachofen und Klages denselben Weg?
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Ich glaube, daß sich hieraus aus diesen Tatsachen später Schlußfolgerungen ergeben werden, die zu einer gründlichen Charakterisierung der deutschen Kultur beitragen können.
Hier bin ich dazu nicht imstande und schon froh, daß ich diese kurzen Aufzeichnungen notieren kann.
Spät abends
Sehen wir nicht auch in Hölderlins Hymnen aus jener Zeit bereits ,, Asia" auftauchen?
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