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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
Entstehung
Seite
255
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Abends

Heute nachmittag wurde ein Franzose eingeliefert, der wahr- scheinlich bald sterben wird. Er ist bewußtlos und hat auf dem Rücken, direkt über dem Gesäß, eine Phlegmone, so groß wie meine Hand.

Als ihn Suire versorgte, sah ich, daß das Wundfleisch gelb und grau war, an manchen Stellen sogar weißlich-grünlich; ein penetranter Fäulnisgeruch war um das Bett.

Ein Freund aus seinem Block, der ihn eine Stunde später be- suchte, erzählte mir dann, daß der Kranke Henri Bernard ist: ein Schriftsteller, der unter dem Namen Francois Vernet be- reits mehrere Romane veröffentlicht hat,

Ob das sein richtiger Name ist und Bernard sein Pseudonym oder umgekehrt, weiß ich nicht, und ich habe mich auch nicht danach erkundigt.

Er liegt die ganze Zeit auf dem Bauch, ißt und trinkt nicht und stöhnt nur vor Schmerzen. Suire hat ihm etwas gegen die Schmerzen gegeben, hat jedoch keine Hoffnung mehr, ihn zu retten, da es bereits zu einer allgemeinen Sepsis gekommen ist wohl seit Tagen schon.

Ich stand lange bei ihm am Bett, konnte aber nichts für ihn tun.

24. März

Sprach mit zwei Freunden von Bernard. Sie erzählten, daß B. erst siebenundzwanzig Jahre alt ist und außer einigen Büh- nenstücken auch zwei Romane publiziert hat:Ce bon Temps, bei der NRF und einen zweiten(durch Vermittlung von L&on Pierre Quint), der den Titel trägt:‚Vouz ne mourez nulle- ment,:

B. selbst hat dieses Buch noch nicht gesehen er war bereits verhaftet, als es gedruckt und herausgegeben wurde, aber ein Freund, der. erst kürzlich nach Dachau gekommen ist, hatte ein Exemplar bei sich. Das wurde ihm hier zwar abgenom- men, doch mit Hilfe einiger deutscher Freunde wurde es"zu-

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