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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
Entstehung
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Ich habe die Prothesen abgeschnallt und sie dem Apotheker gebracht, der bereits des öfteren darum gebeten hat, weil er Prothesen nicht mehr beschaffen kann.

Im ,, Tausch" gab er mir dafür zwei alte Kisten.

Ich brachte sie triumphierend in unsere Stube, wo wir sie nun verheizen; es ist also ein ,, guter" Tag für uns gewesen: ein Ofen, der mindestens eine halbe Stunde brennen wird.

22. März

Heute früh ist nun bereits der sechste meiner Kollegen( das heißt von uns sieben Mann vom Revierordnungsdienst) in Baracke 2 an Flecktyphus gestorben.

Vorige Woche der dicke Pole und der Deutsche aus Dalma­ tien , der abends in unserer Stube immer so wehmütig Man­doline spielte.

Wann werde ich daran glauben müssen?

Abends, spät

War bei Fritz H., der mir wieder über meine düstere Stim­mung hinweggeholfen hat.

Als ich ihm erzählte, daß auch mein sechster Kollege heute früh gestorben ist und dabei wohl einen ziemlich niedergeschla­genen Eindruck machte, antwortete er nur: ,, Dann ist eben nichts mehr daran zu ändern, und du kommst eben an die Reihe!" Darauf bin ich so wütend geworden, daß ich im selben Augen­blick meine Depression völlig überwunden hatte!

23. März

D. findet Chris' Zustand besorgniserregend, da noch Lungen­entzündung dazugekommen ist, und fürchtet, daß Chris es nicht schaffen wird. War bei ihm, doch er schlief. Mir schien er sehr ruhig.

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