darum W. B. noch einmal von Angesicht zu Angesicht sehen wollte: nackt auf den Steinen vor der Totenkammer.
Drost und ich rieten ihm ab, wir wußten, das W. B.s Gesicht- wie das fast aller Typhustoten
-
verzerrt war.
Doch Eddy gab nicht nach und wir gingen zusammen hin. Aber die Russen vom Krematoriumkommando waren bereits dabei, die Leichen auf die Wagen zu stapeln, so daß wir ihn zwischen den anderen nicht mehr herausfinden konnten. Vielleicht war es besser so...
Abends
-
Ich habe mich bei fast allen Ärzten nach der Sterblichkeitsziffer bei Flecktyphus informiert: Unter fünfunddreißig Jahren rechnet man mit vierzig Prozent, über fünfundvierzig und vor allem unter den hiesigen Verhältnissen- mit achtzig Prozent. Außerdem kommen in den meisten Fällen auch noch Komplikationen hinzu: Thrombosen, Ohrenentzündungen, Lähmungen. Nicht gerade sehr ermutigend.
Drost erzählte mir jedoch, daß in seinem Zimmer ein Flecktyphuskranker von über fünfzig Jahren nach einigen Wochen wieder völlig gesund geworden ist. Ein Holländer.. Ich glaube aus Amsterdam , Smit heißt er und ist Notar. Wenn ich selbst nun einmal eine schwermütige Anwandlung habe und über die achtzig Prozent spintisiere, zwinge ich mich, an diesen Notar zu denken; und wenn einer meiner Freunde zu pessimistisch wird, erinnere ich sofort an diesen Amsterdamer: ,, Auf 3 lag ein Notar, der sogar... und so weiter." Das hilft immer.- Mir auch.
Es lebe unser Notar!!
17. März
Während des Luftalarms habe ich mir überlegt, daß wir nicht nur die Verbindung Goethe- Schiller studieren müssen, sondern auch die von Herder zu Jean Paul .
250


