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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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kes scheint mir dringend notwendig. Eine lohnende Aufgabe für ein zukünftiges Deutschland , das heißt ohne Nazis. Her­ der wartet auf seine Renaissance.

Nach dem Appell

Herder war der Prosaist, der die Volkspoesie vieler Länder gesammelt hat, Clemens Brentano jedoch sozusagen der na­menlose Dichter des Volkes.

Durch Rheinhardt lernte ich Brentano besser kennen, denn Rheinhardt hat auch viele von dessen Gedichten aus dem Kopf für mich aufgeschrieben.

Brentanos Lyrik ist von einer Echtheit und Reinheit, wie wir sie nur noch bei einigen wenigen ganz großen Künstlern fin­den, etwa bei den van Eycks und bei Fra Angelico .

Besonders treffend scheint mir in diesem Zusammenhang ein Wort von Caroline über seine ,, Romanzen" zu sein, von denen sie schreibt, daß es scheine, als seien sie vor langer, langer Zeit sich selber entstanden.

ganz aus

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Konnte dank dem Kapo aus der Lagerbibliothek- nach­lesen, was Bettina in ihrem Briefwechsel mit Goethe über An­ dreas Hofer geschrieben hat.

Sie verfolgte, von München aus, voller Spannung den Frei­heitskampf der Tiroler, die sich für ihren Kaiser, von dem sie im Stich gelassen waren, aufopferten. Ihre Briefe an Goethe aus diesem Zeitabschnitt sind ganz anders als ihre früheren, sind nicht mehr einzig und allein musische Betrachtungen über Bienen und Schmetterlinge. So schreibt sie zum Beispiel: ,, Ach Goethe, wenn ich sollte ins Tirol wandern und zur rech­ten Zeit kommen, daß ich den Heldentod sterbe!" Goethes Reaktion enttäuscht mich jedoch sehr, sie ist mir zu... olympisch. Vielleicht ist dieses Urteil ungerecht, und vielleicht werde ich es später revidieren müssen, aber augen­blicklich empfinde ich so.

Er schrieb in jenen Tagen in den Tagen von Aspern und Wagram seine ,, Wahlverwandtschaften " und antwortete auf Bettinas Brief über Hofers Tod:

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