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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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Wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Nachricht im Lager. Sie hat uns einen Schock gegeben. Wir haben dort- in Hol­land einen großen Verlust erlitten.

Auch einige Franzosen, Tschechen, Österreicher und Jugosla­wen sprachen darüber mit uns.

Huizinga! Das bedeutet für mich: erstens: ,, Herfstty der Mid­deleemoen"- viele Male gelesen und wieder gelesen, und mir stets aufs neue einen tiefen geistigen Genuß vermittelnd. Zweitens: Seine stolze Antwort an van Dam, als dieser im Jahre 1939 dem widerspenstigen Professor mit der Schlie­Bung der Universität drohte: ,, Das Verschwinden der Univer­sität Leiden ist eine historische Unmöglichkeit!" Ich habe die­ses Wort heute vielen ausländischen Freunden zitiert und war wirklich stolz darauf, denn das ist Holland , in seinem edelsten und kräftigsten Wesen!

12. März

Rikabona, der Hilfsschreiber von Block 3, der aus Vorarlberg stammt, erzählte mir, daß hier in Dachau auch vier Buchhänd­ler aus Tirol sitzen, einzig und allein dafür, daß sie Ansichts­karten mit dem Bilde von Andreas Hofer verkauft haben. Er wußte noch viele interessante Einzelheiten über den Wider­standskampf der Tiroler zu berichten, für die Hofer wiederum zum Symbol ihrer nationalen Freiheit geworden ist.

Wir sprachen dann auch über Bettina von Arnim , die eine lei­denschaftliche Verehrerin von Andreas Hofer gewesen ist. Will morgen versuchen, hierüber Näheres zu erfahren.

Nach dem Appell

Schon seit Tagen haben wir kein Heizmaterial, oft zittern wir geradezu vor Kälte! Kohlen schon seit Wochen nicht mehr ge­sehen, und auch die alten Kisten, die unser russischer Stu­bendienst immer wieder zu ,, finden" wußte, sind aufgebraucht. Noch mehr Latten vom Zaun in der Blockstraße können wir

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