Druckschrift 
Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
Entstehung
Seite
220
Einzelbild herunterladen

5. Februar

Blut gespendet. Wieder dreihundert Kubikzentimeter.

Abends

Trotz meiner immer noch zunehmenden Bewunderung für Goethe, fällt es mir stets wieder auf, daß er kein Verständnis, keine Sympathie für die großen revolutionären Persönlichkei- ten seiner Zeit zeigte. Weder für Marat noch für Saint-Just, nicht für Robespierre und auch nicht für die anderen führen- den Männer der Französischen Revolution. Sein Urteil darüber ist wohl interessant, und ich begreife die Bedeutung seinerKampagne in Frankreich sehr gut, mehr denn je sogar, und doch finde ich, daß dieses Werk für einen so großen Dichter nicht genügt. Auch seine Äußerungen über die revolutionären Persönlichkeiten in Deutschland , zum Bei- spiel sogar über Thomas Münzer, Ulrich von Hutten, Franz von Sickingen, Florian Geyer, haben etwas so Gezwungenes als ob er ihre Größe, die er sicherlich sah, eigentlich nicht unumwunden zugeben möchte. Und seinGötz von Ber- lichingen? Kommt die Rolle, die Götz im Bauernkrieg spielte, wohl überzeugend genug zum Ausdruck? Hätte Goethe darauf nicht wesentlich tiefer eingehen müssen, als er es tat? Beruht der Ruhm dieses Dramas nicht zum großen Teil auf dem kernigen Ausspruch, den man uns hier täglich, alle nase- lang zubrüllt:Leck mich am A...

6. Februar

Was ich gestern abend über Goethe notierte, hängt natürlich mit seiner abwehrenden Haltung gegenüber dem Tragischen zusammen, mit seiner bewußten Abkehr davon, die übrigens, meiner Meinung nach, auch eine der Ursachen für seine allzu

220