wieder zu Hause sind- allzu rasch vergessen haben werden ( was undankbar und unrichtig zugleich wäre, und was wir auch nicht zulassen dürfen).
Gerade diese ,, unbekannten Kameraden" waren es ja, die jahrelang einen großen Teil der Arbeit geleistet haben Kleinarbeit vielleicht, für die sich viele von uns... zu gut fanden. Sie aber haben all ihre freie Zeit, oft selbst ihren Broterwerb dafür geopfert. Für den Verkauf der Zeitschrift der Freunde der Sowjetunion zum Beispiel oder von Karten für die Aufführung eines Sowjetfilmes, von Broschüren gegen Hitler und so weiter. Während des Krieges haben sie dann in ihrem Stadtbezirk oder in ihrem Dorfe tapfer ihre Arbeit fortgeführt, wurden dabei geschnappt- und sterben nun hier. Paanakker ist einer von ihnen, einer von diesen stillen, pflichtbewußten, prachtvollen Kämpfern.
Er kam, wenn ich mich nicht irre, aus Baarn und hat, trotz seines lahmen Beines, Tag für Tag auf dem Fahrrade sein ..Material" ausgefahren- bis sie ihn verhafteten.
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Tapferer Willem Paanakker, ich verspreche dir, daß ich- wenn ich hier lebend herauskomme dafür sorgen will, daß du später nicht vergessen werden sollst, ebenso wenig wie die anderen unbekannten Kameraden!
4. Februar
Ich habe mich nun schon zweimal dabei ertappt, daß ich morgens, wenn ich die Aufseherin vom Revier nach der Frauenabteilung bringen muß, die ganz hinten beim Bordell ist, daß ich dann jedesmal recht interessiert nach ihren Beinen sah und kaum ein Auge hatte für die vielen Leichen auf den Blockstraßen.
Verrat an den Toten?
Ich habe lange darüber nachgedacht-
Es ist kein Verrat.
Ich muß mich an das Leben halten, nicht an den Tod.
Sonst gehe ich selber zugrunde.
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