graphie gab und nicht die von Jörgenssen, die ich vor einigen Jahren las, aber zu propagandistisch- katholisch fand. Sabatier war Professor in Straßburg , und sein Buch ist geschichtlich und dokumentarisch. Obwohl ich es noch nicht ganz durchgearbeitet habe, kann ich doch bereits jetzt durchaus verstehen, warum viele Katholiken keine Sympathie für dieses Werk haben. Der Autor verneint das ,, Wunder" zwar nicht völlig, betrachtet es aber als einen rein individuellen seelischen Vorgang und leugnet seine transzendentale Bedeutung. Mich fesselte vor allem das Kapitel ,, l'Eglise vers 1209", worin Franziskus als ein integrierender Teil jener Bewegung beschrieben wird, die im 13. Jahrhundert führend im Kampf gegen die Sittenlosigkeit der Geistlichen war. In einem weiteren Kapitel schildert Sabatier dann, welche Hindernisse Franziskus von der niederen Geistlichkeit in den Weg gelegt wurden, und daß man ihn erst für wichtig nahm und seine Größe zu begreifen begann, als man sah, daß das Volk hinter ihm stand; was ihnen natürlich gefährlich werden konnte! Sabatiers Buch ist genau das, was ich suchte: ein rationalistisch- historisches Werk über einen Heiligen der katholischen Kirche . Hoffentlich kann ich später auch noch von anderen Heiligen solche Biographien finden.
3. Februar
Willem Paanakker ist heute gestorben. Er kam mit uns zu sammen aus Vught, und es ist eigentlich erstaunlich, daß er so lange Zeit durchhalten konnte und daß er trotz seines lahmen Beines jedesmal dem ,, Invalidentransport" entging. Ich weiß nicht, warum sein Tod mich tiefer bewegt als der vieler anderer. Die wenigsten von uns kannten ihn- eigentlich nur seine Parteigenossen, und auch bei ihnen spielte er keine besondere Rolle.
Für mich aber ist Paanakker beinahe ein Symbol... ,, der unbekannte Kamerad", möchte ich ihn nennen; einer, an den wir nun flüchtig denken, aber den wir später
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