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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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Zwei Betten weiter liegt ein Bruder von Jaquemotte; eben­falls schwerkrank. Es scheint nicht mehr viel Hoffnung für ihn zu sein...

Als er hörte, daß ich aus Brüssel komme, mußte ich ein Weil­chen bei ihm bleiben, und mich mit ihm unterhalten.

Er ist so voll guten Mutes, doch so schwach, daß er nicht mehr aufrecht sitzen kann.

8. Januar

Van L. und ich haben nun regelmäßig längere Gespräche, die ich ungern missen würde. Wir versuchen beide, uns vorurteilslos näherzukommen und das zu finden, was uns verbindet. Auch für später. Ich hoffe, daß unsere Freundschaft von Dauer sein wird. Als wir heute früh bei unserem gemeinsamen täglichen Spa­ziergang durch die Blockstraße der nun zu einer angeneh­men, festen Gewohnheit für uns geworden ist über katho­lische Heilige sprachen, äußerte van L. seine große Bewunde­rung für Ignatius von Loyola . Das kann ich sehr gut bei ihm verstehen, denn Ignatius muß ihn wohl besonders anziehen: ein leidenschaftlicher und doch sauberer Kämpfer, dessen ganze Energie sich auf ein Ziel konzentrierte und der außerdem ein vortrefflicher Soldat war.

Ich sagte ihm, daß ich seine Vorliebe nicht teile, daß mein großes Interesse Thomas Morus gilt, den ich einen sozialisti­schen Heiligen nannte.

Eine Stunde später

Suire rief mich, um mir zu sagen, wer der ,, Neue" eigentlich ist; ein bekannter französischer Jesuit, der sehr viel illegale Arbeit geleistet hat.

Michelet hatte ihm- Suire- erzählt, daß der Jesuit als Mon­teur mit einem Transport französischer Arbeiter nach Deutsch­ land gegangen war, und zwar nicht nur, um ihnen als Geist­licher beizustehen, sondern auch, um mit ihnen zusammen die

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