A. lobte besonders ein Werk über Dante, ferner ,, Les Poètes Franciscain" und erzählte- was mein Interesse noch erhöhte-, daẞ Ozanam Professor der deutschen Sprache und Philologie an der Sorbonne gewesen ist und als solcher auch zwei Bände ,, Études germaniques " veröffentlicht hat.
Nach dem Appell
A. überraschte mich heute nachmittag mit einer kurzen Ozanam- Bibliographie, die er in Eile notiert hatte( in der Schreibstube, anstatt seine Listen auszufüllen), sowie mit dem genauen Text von dessen Grabschrift in der ,, Église des Carmes" in Paris ( auf deutsch und lateinisch!), die wirklich nicht kurz ist, sondern über zehn Zeilen umfaßt.
Ich bewundere diesen alten Mann immer mehr, empfinde täglich mehr Respekt vor seinen gediegenen literarischen und historischen Kenntnissen, vor seiner innigen Liebe zum Menschen zur Literatur und zur Menschheit. Er wird für mich immer der Repräsentant eines Spitzweg- Deutschlands bleiben, das selbst von dieser Barbarei nicht berührt wurde, das sich still und träumerisch abseits hielt, ohne den heraufziehenden Sturm zu spüren.
Natürlich hätte auch A. begreifen müssen, daß dieser Orkan der Barbarei alles zerschmettern würde, aber er glaubte nicht an sein Kommen, vernahm nichts von den drohenden Vorzeichen in seinem stillen Studierzimmer mit den Kakteen, mit den Porträts von Ozanam, Bischof Sailer, Alban Stolz, Heine und Hansjakob über dem Schreibtisch. A. war erfüllt von Liebe zu der Kathedrale seiner Heimatstadt Freiburg . Als es dann aber doch so weit war, als ,, sie" die Macht ergriffen, da schrak er auf aus seiner Ruhe und widersetzte sich, so daß er schließlich hier in Dachau landete.
Auch hier denkt er weiter an seine Bücher und an Blumen, hofft und betet, vor allem dafür, das ,, sein" Münster nicht durch englische Bomben getroffen werden möge und daß er später wieder hinter seinem Schreibtisch sitzen darf, umgeben von den Porträts, die er doch so liebt.
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