5. Januar
Nachmittags ein ausführliches und tiefes Gespräch mit van L. gehabt. Er fragte mich einige Dinge über den spanischen Bürgerkrieg. Vor allem wollte er wissen, wie ich über die Rolle denke, die der spanische Klerus darin gespielt hat. Ich habe ihm sehr ausführlich geantwortet und dabei mein möglichstes getan, um ihn nicht zu verletzen, doch auch andererseits nichts verschwiegen von dem, was ich nun einmal sagen mußte!
Erzählte ihm von Pater Lobo, von der Haltung jener Geistlichen, die sich nicht für Franco entschieden hatten und die daher von den Republikanern auch völlig unbehelligt gelassen wurden, von den Basken, bei denen die niedere Geistlichkeit gemeinsam mit den Bauern gegen Franco kämpfte. Ich erzählte auch, warum sie es tat. Berichtete von meinem Besuch bei La Passionaria und wie sie, als eine Anzahl Nonnen aus Madrid um ein Gebäude für eine neue Kapelle bat- das ihre war durch Francos Bomben vernichtet worden sofort durch ihre Partei den Fall untersuchen ließ und dafür Sorge trug, daß dieser Wunsch sehr rasch erfüllt wurde. Und dann erwähnte ich noch, daß es Kommunisten gewesen sind, die damals den Nonnen Breviere, Rosenkränze, Weihwassergefäße und ähnliche Dinge brachten.
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Van L. wollte gern noch mehr über Spanien wissen. Ich verwies ihn an Piet, der dort gekämpft hat. Außerdem habe ich ihm sehr angeraten, später, wenn wir einmal wieder frei sein werden, die Bücher von Bergamin zu lesen.
Abends
In Stube I, in dem Eckbett, in dem ich schon so viele sterben sah, liegt ein Neuer. Wieder ein Kandidat, also... Er wimmerte leise, als ich zu ihm trat, aber da er auf dem Bauch lag, konnte ich sein Gesicht nicht gut erkennen. Suire hatte ihm gerade eine Spritze gegeben und bat mich, für den Kranken nach Block 26 zu gehen und den Jesuiten
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