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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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Ich hoffe, daß das Serum gut war, doch so sicher ist das noch nicht. Auch das wird wohl ,, Ersatz" sein. Ist doch selbst der dicke Pole von der ,, Ambulanz" an Flecktyphus gestorben, und der hat doch bestimmt dafür gesorgt, daß er rechtzeitig geimpft wurde.

Morgen soll das Plantagenkommando geimpft werden. Diese Häftlinge arbeiten schließlich für Himmler persönlich, in seinen Gärten dicht hinter dem Lager. Die Blumen und Kräuter bringen ihm jährlich eine hübsche Summe ein, und darum müssen seine Sklaven noch ein Weilchen am Leben bleiben.

Alle anderen werden nicht geimpft!

Die sollen ruhig krepieren!!!

Nach dem Appell

Ich gehe jetzt regelmäßig in den Geistlichenblock.

Nicht nur, um die Krankenlisten und die Blutspender zu ho­len, sondern auch um mit Pater van G. zu sprechen.

Ich beneide ihn geradezu um seine geschulte Denkweise, um seine scharfe Logik und wünschte nur, etwas von dieser Je­suitenlogik gelernt zu haben.

Gestern habe ich ihm das gesagt und auch, daß ich

ich wieder auf die Welt käme

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wenn

gern bei den Jesuiten in die Schule gehen würde, doch dabei dann denken möchte wie jetzt und auch meiner heutigen Überzeugung sein.

Er begriff vollkommen, was ich meinte und kam glücklicher­weise nicht auf die Idee, daß ich etwa auf irgendeine Art ,, zweifele" oder gar... Katholik werden wolle!!

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P. dagegen machte gestern halb im Scherz und halb im Ernst eine dahingehende Andeutung, doch das läßt mich völlig kalt!

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Ich unterhalte mich gern mit van G. und versuche, dadurch eine genaue Kenntnis vom wahren Wesen des Katholizismus zu bekommen.

Jede Ausweitung des Weltbildes ist gut und ich kann aus die­sen Gesprächen allerhand lernen.

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