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nach nur der Faschismus Nutzen ziehen. Das habe ich M.- trotz seiner Entrüstung- gesagt, und auch, daß ich sehr gut begreife, warum unter Hitler die Werke Heideggers nicht verboten sind sondern sogar propagiert werden. Miesen meinte, daß für Heidegger die Lösung im mutigen Hinnehmen eines absurden Daseins besteht. Mir kommt es richtiger vor, dagegen zu kämpfen, denn das ,, mutige Hinnehmen" nur Wasser auf die Mühlen der Nazis!
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ist doch
Ich bin mir wohl bewußt, daß Heideggers Philosophie viel komplizierter, wahrscheinlich auch reicher ist, als ich im Augenblick sehen will, aber seine Rückkehr zur konkreten Wirkkann ich lichkeit" die Miesen dann noch ins Feld führte nur mit grobem Geschütz beantworten. Zur Zeit heißt nämlich die konkrete Wirklichkeit: Das Dritte Reich! Aus dieser Tatsache müßte Heidegger wenn er wirklich ein Deutscher großen Formats ist- Konsequenzen ziehen, und zwar derartige Konsequenzen, die jede weitere Publikation seiner Arbeiten unter Hitler unmöglich machen würden! Aber gerade das Gegenteil ist der Fall! Miesen war natürlich
und ganz
gar
nicht meiner Ansicht, sondern sogar einigermaßen verstimmt über meine Behauptungen was ich schließlich bei ihm auch begreiflich finde.
28. Dezember
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K. wollte heute mein Urteil über Block 26 wissen. Ich hatte das Gefühl, daß er von mir eine scharf ablehnende Äußerung über den Block der Geistlichen erwartete und ich glaube, daß ich damit die Auffassung der meisten Häftlinge richtig wiedergegeben hätte, doch so einfach ist diese Frage meiner Meinung nach nicht. Ich komme jetzt jeden Tag nach Block 26, oft sogar zwei- oder dreimal täglich: Um Blutspender zu rufen, um heimlich geistlichen Beistand für Kranke oder Sterbende, auch um Oblaten und heiliges Öl zu holen- und ins Revier einzuschmuggeln. Dadurch kenne ich nicht nur alle holländischen Geistlichen und Prediger, sondern auch viele ausländische.
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