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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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Selbstmord zusammen mit einem homosexuellen ungari­schen Offizier. Nicht etwa aus Angst vor der SS, sondern weil er der Überzeugung war, daß wir alle und allzeit in der Erfüllung derjenigen Pflichten versagen, die uns das Leben auferlegt. Hölderlin : Verhaftet als asoziales Element. Hatte es abge­lehnt, sich für den Arbeitseinsatz" zu melden. Erwies. sich bereits in den ersten Tagen nach seiner Ankunft in Dachau als so sehr ungeeignet für das Lagerleben, daß er von seinem polnischen Blockältesten ins Nervenzimmer des Krankenreviers gebracht wurde, wo sie ihn sofort in eine Zwangsjacke steckten. Wurde kurze Zeit darauf durch den Oberpfleger, der ihn ganz besonders haẞte( ,, Dieser Hölderlin behauptet auch noch... Griechisch zu können!"), auf Invalidentransport geschickt. Schopenhauer : Verhaftet, weil er Leys Hund, der seinen Pudel Atmaa gebissen hatte, ein ,, plebejisches Rindvieh" nannte. Bekleidet in Dachau einen prominenten Posten und bekommt viele Pakete, von denen er jedoch nur sehr selten- und dann auch nur an ebenso ,, Prominente"- eine Kleinigkeit abgibt.

Ist außerordentlich stolz und egoistisch, betrachtet die mei­sten seiner Mitgefangenen nur als ,, Fabrikware der Natur". Nietzsche : Verhaftet wegen einer scharfen Kritik an Rosen­bergs ,, Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts", das er ,, ge­schwätzigen Dilettantismus" nannte.

Ist schon nach wenigen Wochen Lager ein Muselmann gewor­den, der dauernd weint und abends am Eingang von Block 26 um etwas Suppe bettelt.

Gerhart Hauptmann : Ihn hatten wir gerade als nächsten für unser Spiel notiert, als Luftalarm gegeben wurde und die Flak ganz in unserer Nähe- wahrscheinlich die in der Plantage­einen derartigen Lärm machte und alles so zu wackeln be. gann, daß wir leider nicht weiterschreiben konnten...

26. Dezember

Blut gespendet( dreihundert Kubikzentimeter).

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