vielleicht sehr schnell durch andere Probleme und Interessen verdrängt werden.
Das darf keineswegs geschehen!
Sie darf auf keinen Fall in Vergessenheit geraten, denn das eine steht schon heute fest: Es starben und sterben in Dachau täglich Holländer an Hunger und infolge Unterernährung, die wahrscheinlich nicht hätten sterben müssen, wenn auch wir regelmäßig mit RK- Paketen versorgt würden.
Ich weiß sehr wohl, daß das eine schwere Beschuldigung der verantwortlichen Stellen ist, aber sie wird keineswegs leichtfertig ausgesprochen und niedergeschrieben, sondern auf Grund von Tatsachen von äußerst traurigen Tatsachen sogar!!
1. Weihnachtsfeiertag, 12 Uhr mittags
Gestern abend mit Fritz zusammen bis gegen elf Uhr aufgeblieben. Wir hatten uns ein Spiel ausgedacht, das uns auch wirklich geholfen hat, nicht zuviel an Zuhause zu denken. ( Glücklicherweise ist ja Edith wieder frei, und es geht ihr gesundheitlich auch wieder besser; und über Tylie hatte ich vor drei Wochen noch Nachricht.)
Das Spiel begann mit einer Frage von Fritz: ,, Wie würde sich Goethe wohl benommen haben, wenn er hier bei uns in Dachau säẞe?"
Wir haben beide unsere Antworten aufgeschrieben und dann verglichen. Danach kamen noch ein paar andere deutsche Dichter und Denker an die Reihe.
Da wir heute doch frei haben, will ich nun das ,, Resultat" unserer amüsanten Untersuchung aufschreiben, dann kann ich es Edith später lesen lassen. Also:
Goethe: Verhaftet, weil er sich in der Pariser Zeitschrift ,, Le Globe" in einem wissenschaftlichen Artikel über Ontologie abfällig über die Theorien des Rassenforschers Professor Günther geäußert hat. Sitzt bereits zwei Jahre, da er so hieß es in seinem Schutzhaftbefehl- mit seiner Publikation den Namen der nationalsozialistischen Wissenschaft verunglimpft
-
12*
179


