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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
Entstehung
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Spiegelungen des Lebens, und dadurch kann der Autor die Ent­wicklung seiner Hauptperson viel intensiver darlegen.

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Das wichtigste Problem, das Goethe in seinem ,, Wilhelm Mei­ ster " anschneidet, ist das Verhältnis des Menschen zur Gesell­schaft. Zu dieser Schlußfolgerung bin ich nach mehrmaligem Lesen gekommen; nun konstatierte ich auch, daß die Rolle, die Goethe in diesem Buch der Schauspielkunst zuteilt, eigent­lich eine Nebenrolle ist, obwohl anfänglich gerade das Ent­gegengesetzte der Fall zu sein scheint. Auch für Goethe ist hier die Kunst, die Schauspielkunst, nur ein Mittel eines der vielen-, um Wilhelm Meisters Persönlichkeit zur völli­gen Entfaltung kommen zu lassen. Die eigentliche Bühne ist die Gesellschaft. Dadurch erhält auch Goethes Kritik an der Rolle des Bürgers in dieser Gesellschaft erst ihre tiefe Bedeu­tung, besonders wenn er schreibt:

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,, Ein Bürger kann sich Verdienst erwerben, und zur höchsten Not seinen Geist ausbilden; seine Persönlichkeit geht aber verloren, er mag sich stellen, wie er will. Er darf nicht fragen: wer bist du?, sondern nur: was hast du? Welche Einsicht, welche Kenntnis, welche Fähigkeit, wieviel Vermögen?- er soll einzelne Fähigkeiten ausbilden, um brauchbar zu werden, und es wird schon vorausgesetzt, daß in seinem Wesen keine Harmonie sei noch sein dürfe, weil er, um sich auf eine Weise brauchbar zu machen, alles übrige vernachlässigen muß." Goethes Betrachtungen über das gesellschaftliche Geschehen zeugen von klugem Verständnis, und ich begreife jetzt noch bes­ser, warum Marx eine so große Verehrung für ihn hegte. Auch im ,, Wilhelm Meister " bleiben Goethes Versuche zur Verwirklichung seines humanistischen Ideals das Primäre, und im Zusammen­hang hiermit wird alles entwickelt und beschrieben.

Eine Stunde später

Luftalarm! Soeben glaubten wir, das Lager sei getroffen. Die Bomben sind in unmittelbarer Nähe gefallen. Unsere Baracke wackelte sehr, Regale mit Flaschen stürzten um, die bettläge­rigen Kranken wurden nervös...

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