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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
Entstehung
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ein Mann, der gern ein Jakob Burckhardt werden wollte, doch es niemals weiter als zu einer Kreuzung von Emil Ludwig und Prof. Casimir gebracht hat.

Einige Essays von ihm über Tolstoi, die ich hier in einem alten Jahrgang des katholischen Monatsheftes ,, Hochland " las ( von A. bekommen; viele der alten Jahrgänge sind wirklich der Mühe wert, gelesen zu werden), erinnerten mich durch die oberflächliche Art, in der sie geschrieben sind, wieder sehr an seine Vorlesungen über Goethe.

30. November

Blut gespendet für einen Italiener.

Wieder dreihundert Kubikzentimeter.

Hoffentlich schafft er es- und ist nicht wieder vergebens, wie die beiden letzten Male.

1. Dezember

Adi hat mir ,, Wilhelm Meisters Lehrjahre " gebracht. Dieses Buch beschäftigt mich bereits seit Jahren. Bram hat es mir auf meinen Wunsch auch nach Scheveningen geschickt, dann haben Telders und ich in Vught tagelang darüber gesprochen- und nun werde ich es aufs neue lesen. Es läßt mich nicht los. Es ist ein ,, Entwicklungsroman", genau wie ,, Der grüne Hein­ rich ", wie ,, Johann Christoph" und Andersen- Nexös ,, Pelle, der Eroberer". Der Kapo von der Bibliothek erzählte, daß die Nachfrage nach dieser Art Bücher sogar hier stets sehr groß ist. Heute kam ich zu der Entdek­eigentlich zum erstenmal kung, daß die Hauptperson in allen diesen Werken immer ein Künstler ist, oder zumindest jemand, der eine große Vorliebe für eine bestimmte Kunstart hat: Wilhelm Meister für das Theater, der Grüne Heinrich für die Malerei, Johann Chri­stoph für Musik. Das ist natürlich kein Zufall. Menschen mit künstlerischen Anlagen sind ja meistens empfänglicher für alle

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