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So habe ich zum Beispiel zugeben müssen, daß ihre Möglichkeiten nach zehn Jahren Faschismus viel kleiner waren, als die unsrigen. Andererseits sehe ich allerdings nicht, daß sie jetzt etwas ,, tun"; aber vielleicht wird sich das erst später herausstellen, und vielleicht kann ich das von hier aus auch nicht gut beurteilen.
nach M.-,
Das einzige, was sie zur Zeit tun können, ist die faschistische Ideologie untergraben und vorsichtig angreifen. Er hat wahrscheinlich auch recht, wenn er mir versichert, daß es schwer, sehr schwer für sie sei, ihre Arbeiten völlig frei von faschistischen Einflüssen zu halten, denn die meisten von ihnen hatten und haben keine Gelegenheit, sich im Ausland zu orientieren oder ausländische Literatur zu lesen und zu studieren.
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, Viele von ihnen sind übrigens bereits verhaftet", fügte M. noch hinzu ,,, und andere haben Selbstmord verübt."
29. November
A. sagte mir soeben, daß er uns heute nachmittag etwas über Robert Saitschik erzählen will, über dessen Leben und Werk. Ich teile seine Bewunderung für diesen Autor keineswegs, doch das werde ich ihm nicht sagen. Warum auch? Er ist mit SaiItschik befreundet und sehr stolz auf diese Freundschaft, und wenn ich ihm erzähle, daß ich S. als Schriftsteller nicht schätze, würde ihn das sicherlich kränken. Wir kommen aber zusammen, um uns gegenseitig etwas aufzufrischen und nicht, um uns zu streiten oder zu verletzen.
Ich erinnere mich noch sehr genau an einige Vorlesungen, die Prof. Saitschik 1925 in seiner Villa in Ascona hielt, und ebenso an den Eindruck, den ich damals von ihm bekam; außergewöhnlich stark von sich selbst eingenommen, wollte er durchaus von seinen Zuhörern bewundert werden, während er auf eine viel zu häßliche, unkritische Art allerlei Gemeinplätze über Goethe zum besten gab. Die Bücher, die ich dann später von ihm las, bestärkten mich noch in meinem Urteil:
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