nur einige wissenschaftliche Artikel geschrieben hat; vor allem über Huizinga, den er sehr bewundert was mich bereits milder stimmte. Und als er erzählte, daß er die restliche Zeit meistens im Spinoza - Haus zugebracht hat, begann mein Zorn langsam zu verrauchen. Doch als er dann über Hans Carossa zu reden begann, bin ich wieder wild geworden. Daß sich Carossa von Goebbels zum Vorsitzenden einer sogenannten Europäischen Schriftstellervereinigung- in der Holland durch Eekhout und irgendeinen friesischen NSB- Schreiberling ,, repräsentiert" wird- machen und mit seinem Namen Schindluder treiben läßt, ist einfach Verrat am Geist. Dafür gibt es keine Entschuldigung- und das habe ich Miesen auch gesagt. Er ist der Ansicht, daß Carossa es gegen seinen Willen tat: ,, Er hat geweint, als er es tun mußte", berichtete er, aber das ob mit oder kann mir nicht imponieren: Er hat es getan ohne Tränen, das ist völlig uninteressant. Er hätte ja genau so gut emigrieren können wie Thomas und Heinrich Mann und wie so viele andere.
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Abends
Miesen ist sehr schwächlich und auch nicht besonders geschickt. Ein schweres Kommando kann er sicher nicht aushalten. Vielleicht kann Heine etwas für ihn tun, ihn vielleicht auf die Schreibstube bekommen? Ich werde ihn auf jeden Fall fragen.
26. November
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Miesen erwähnte heute die Namen einiger jüngerer Autoren, die die er ,, Schriftsteller der inneren Emigration“ nannte also keine Nazis sind und sich in ihren Arbeiten nach Möglichkeit widersetzen. Ein großer Teil von ihnen ist um Ernst Jünger gruppiert, dessen letzte Publikationen auch verboten zu sein scheinen:
Ich gebe gern zu, daß Ernst Jünger ein Schriftsteller von Format ist und auch kein widerlicher Lakai wie Blunck, Johst,
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