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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
Entstehung
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23. November

Die Jugoslawin hat mir bei der Ohrenstation einen Zettel zu­gesteckt, den ich sofort zerrissen habe. Jetzt ist es mir klar; sie ist entweder nervenkrank- oder eine Provokateurin.

An Artur hat sie auch geschrieben.

Ich gebe ihr auf keinen Fall etwas für München mit.

24. November

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Heute früh habe ich mich wohl eine Stunde lang mit einem Neuen ,, herumgezankt". Wir haben uns schließlich doch wie­der vertragen. Er heißt Miesen, ist Deutscher , Doktor der Philosophie, hat bei Prof. Ernst Bertram und Prof. E. R. Cur­tius studiert und später auch bei Jaspers in Heidelberg . Noch sehr jung vielleicht sechsundzwanzig oder siebenundzwan­zig. Seine Nieren sind nicht in Ordnung, und er hat außer­dem als Folge eines Bombenangriffs auf Köln - auch noch eine Herzgeschichte. Als Suire und Heini ihn heute untersuch­ten, konnte ich das Herz schlagen sehen- so stark klopfte es. Anfang des Krieges ist er ungefähr ein Jahr lang in Holland gewesen, erzählte er mir, hat Artikel für die ,, Kölnische Zei­ tung " geschrieben, aber ist damals kaum mit Holländern in Berührung gekommen. Natürlich wurde ich wütend und habe ihm sein Verhalten vorgeworfen.

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Er ist kein Nazi- das spürte ich sofort, und dann würde er ja auch nicht hier sitzen aber meiner Meinung nach hätte er, gerade um uns zu beweisen, daß er es nicht war, in un­serem Lande Kontakt mit antifaschistischen Holländern auf­nehmen und ihnen helfen müssen. Wenn er auch ,, anti" war, hatten sie doch die gleichen Interessen.

Er wußte mir darauf nicht viel zu antworten; sagte nur, daß er das wohl gern gewollt, aber nicht gewagt habe; der Ge­ stapo wegen, die ihm sowieso schon miẞtraute.

Im Laufe des Gesprächs( das meinerseits eigentlich mehr einem Verhör glich!) stellte sich dann heraus, daß er damals

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