Ich hoffe es wenigstens, denn ich bin nicht gerade sehr versessen auf derartige Verdächtigungen. Schließlich wird man noch behaupten, daß ich Brillanten von Stalin bekommen habe, oder so...
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11. November
Der jüdische Apotheker aus Hust rief mich gestern abend an sein Bett und gab mir ein Buch in die Hand, ein Geschenk für mich. Ich wollte es nicht annehmen, aber er gab sich erst zufrieden, als ich es nahm. Er ist so froh, hier zu liegen, daß er nicht weiß, was er tun soll, um seine Dankbarkeit zu beweisen. Es war eine Einführung in das Werk des Maimonides, geschrieben von einem Rabbiner D. J. Münz.
Maimonides! Einer der großen Lehrmeister Spinozas. Wie oft bin ich schon seinem Namen begegnet, hatte mir dann immer vorgenommen, mich mehr über ihn zu orientieren, mich eventuell in seine Arbeiten zu vertiefen. Nun besitze ich eine ausführliche Einleitung und kann mit der Verwirklichung dieser Pläne beginnen. Und wenn die SS das Buch entdeckt? Von denen weiß ja doch keiner, wer Maimonides war.
13. November
Gestern in jeder freien Minute das Buch über Maimonides zur Hand genommen. Er war ein spanischer Jude, geboren 30. März 1135 und verfaßte wie ich las- auch eine Terminologie der Logik. Auf das Studium der Logik hat er immer besonderen Wert gelegt:
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,, Die Logik wird nicht als eine besondere, für sich abgeschlossene Wissenschaft betrachtet, die nur einen Selbstzweck hat, sie ist vielmehr das Instrument, der Kern aller andern Wissenschaften, und mit Recht behaupten die Gelehrten, man könne weder im Lernen noch im Lehren irgendeiner Disziplin eine ersprieẞliche Tätigkeit entfalten, wenn man nicht zuvor
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