Ich habe ihn früher oft in Berlin gesehen, und seine prachtvolle Übersetzung von Bezručs Gedichten ist eines meiner Lieblingsbücher.
9. November
10. November
K. meinte heute vormittag, ich müßte vor dem Krieg wohl sehr ,, berüchtigt" gewesen sein, da ich hier immer wieder Ausländer treffe, die mich von früher her kennen. Er hält mich, so kam es mir vor, mindestens für eine Art ,, Agent der Komintern" oder so etwas Ähnliches.
Natürlich sind hier viele alte Bekannte, deutsche und österreichische Emigranten, die ich in Belgien traf, die beiden tschechischen Juden, mit denen er mich einen dieser Tage sprechen sah, Alfredo, der spanische Chauffeur, einige Tschechen, deren Bekanntschaft ich in Prag gemacht habe, Bob, der belgische Rechtsanwalt, mit dem ich mich für die deutschen Flüchtlinge einsetzte, der französische Journalist, den ich auf dem Friedenskongreẞ in Paris traf- und noch einige andere...
Ich habe versucht, K. klarzumachen, daß das doch nur eine logische Folge meiner politischen Einstellung ist, meines Kampfes gegen den Faschismus- den ich bereits seit seinen frühesten Anfängen führe.
Deshalb kenne ich die meisten dieser Menschen; wir kämpften, arbeiteten ja schon so lange für das gemeinsame Ziel, so daß es kein Wunder ist, wenn wir uns nun hier und in anderen KZs wiedersehen.
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Ich habe wohl eine Stunde lang mit ihm gesprochen und bekam den Eindruck, daß er mich begriff, und nun auch alles
mit anderen Augen sieht.
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