,, Es würde mir leid tun, wenn ich Sie damit gekränkt habe, aber..."
,, Sie haben gestern wirklich nicht viel Gutes von der ehemaligen tschechischen Regierung gesagt. Wir haben aber für unser Land alles getan, was wir nur tun konnten."
,, Das ist möglich, doch leider muß ich Ihnen widersprechen. Das Gebiet über das wir gestern gesprochen haben, wurde nämlich mehr als unverantwortlich vernachlässigt." ,, Die dortige Bevölkerung hat immer gehungert."
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,, Glauben Sie eigentlich, daß das ein gutes Argument ist? Ist das nicht vielmehr ein Beweis dafür, daß die Politik in diesem Gebiet milde ausgedrückt- völlig verkehrt war?" Im weiteren Verlauf unseres Gespräches stellte sich heraus, das D. Karpato- Rußland niemals besucht hat, so daß meine Stellung ihm gegenüber ziemlich stark war. Er bestritt aber doch energisch, daß man es damals absichtlich unterlassen hätte, Informationen über die dortigen Zustände zu erteilen. Darauf habe ich ihm erzählt, daß ich vor Antritt meiner Reportagereise 1932- auf der tschechischen Gesandtschaft in Berlin gewesen bin, um dort Informationen und Material über dies Gebiet einzuholen.
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, Und wen von unseren Herren haben Sie dort gesprochen?" fragte er interessiert. ,, Ich kenne sie fast alle."
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, Camill Hoffman."
,, Das ist ein Freund von mir. Übrigens auch ein Literat." ,, Und wissen Sie, was das einzige, Material' war, das er mir gab? Ein kunsthistorisches Werk über die aus dem 17. Jahrhundert stammenden hölzernen Kirchen und Kapellen in Karpato- Rußland."
Ich bin dann auf dieses unerquickliche Thema lieber nicht weiter eingegangen, und so kam es doch noch zu einem recht interessanten Gespräch. D. erzählte unter anderem, daß er dem Vorstand des tschechischen PEN- Klub angehört habe, und ich erfuhr von ihm, daß Joseph Capek- Karels Bruder und Rudolf Fuchs gestorben waren. Beide im KZ. Capek ist in Buchenwald gestorben und Fuchs hier in Dachau ; sogar in unserer Stube! Schon 1940.
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