vom wahren Wesen des Faschismus, der doch wahrhaftig nicht am 10. Mai 1940 völlig überraschend und unerwartet wie ein Teufelchen aus dem Kasten gesprungen kam. Der Minister war gerade zum holländischen Gesandten in der Schweiz ernannt worden, als er in Bern durch die auswärtige Politik der Nazis überrascht wurde. Er teilt uns unter anderem in seinem Bericht vertraulich mit, daß ,, sein Weinkeller gerade gefüllt war und daß ,, die Gardinen bereits hingen"( ich erinnere mich an diese beiden klassischen Sätze so genau, als ob ich sie gestern gelesen hätte) und ach, dann auf einmal kam der böse Hitler und macht ihm einen Strich durch die Rechnung!
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Ich schweife vom Thema ab und schreibe Dinge, die vielleicht teilweise ungerecht sind; doch ich glaube, daß man von einem Außenminister und von akademisch gebildeten Menschen wie K. verlangen kann, daß sie im Jahre 1940 doch etwas mehr von dem wußten, was in der Welt vorging.
Ebensogut, wie mir bekannt war, daß damals in Karpato- Ruẞland Tausende Hungers starben, hätte auch K. das wissen können.
Und dann sein Einwand, er habe sich damals nicht mit Politik beschäftigt! Dann muß er sich auch nicht wundern, wenn sich die Politik mit ihm beschäftigt!
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Ich lasse nun hier etwas gekürzt folgen, was ich 1932 in meiner in Gent , Belgien , erschienenen Broschüre: ,, Ein Land verhungert mitten in Europa " über meine Begegnung mit Sterenbach schrieb, der dann zwölf Jahre später in Dachau mein Bettnachbar werden sollte!
... Sterenbach, ein Holzhändler, der früher gut verdiente, doch dessen Geschäft nun stilliegt, weil der Handel mit Ungarn verboten ist, führte mich durch das Dorf. Er ist ein moderner Jude, und seine älteste Tochter besucht das Hebräische Gymnasium in Munkács .
Wir gehen in das erste Haus der Dorfstraße, in dem ein Tischler wohnt: Mann, Frau und elf Kinder in einer großen Werkstätte. Seit Monaten ist er bereits ohne Arbeit. In einer
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