24. Oktober
Heute mittag traf ich hier plötzlich Alfredo, den spanischen Chauffeur, der mich 1937 von Port-Bou nach Madrid fuhr, zusammen mit Brouwer, Andersen-Nexö, Anna Seghers und einem chinesischen Freund, dessen Namen ich vergessen habe. Auch er erkannte mich sofort wieder und war so kindlich froh, mich zu sehen, daß ich beinahe verlegen wurde. Glücklicherweise ist er nicht so schwerkrank— eine beginnen- de Phlegmone an seinem rechten Bein—, so daß er wohl genesen wird. Ich habe Suire sofort gesagt, daß Alfredo ein Freund von mir ist, und: auch mit Heini über ihn ge- sprochen. N
Juni 1937 habe ich ihn zuletzt gesehen; danach hat er noch bei Brunette und später in der Brigade Lister gekämpft. Bis zum Schluß. Dann ist er zusammen mit vielen seiner Freunde über die französische Grenze gegangen und dort— im Süden — durch die Laval-Regierung in ein Lager gesteckt worden, wo man sie nicht nur schlug und mißhandelte, sondern wo auch Hunderte an Typhus starben. Als dann nach drei Jahren die
Deutschen kamen, haben sie die Häftlinge in deutsche Lager transportiert. Er selbst ist— bevor er hier landete— in Maut- hausen gewesen. Er fragte mich sofort nach Brouwer und war einige Minuten sehr still, als ich ihm sagte, daß Brouwer von den Deutschen erschossen wurde.
25. Oktober
Alfredo weiß noch ganz genau, daß ich damals mit bei seiner Familie gewesen bin und bringt immer wieder das Gespräch darauf. Er hatte uns erst von Port-Bou nach Barcelona gefah- ren, von dort nach Valencia und dann nach Madrid . Seit Wo- chen hatte er seine Familie nicht gesehen. Sie wußten nicht, ob er noch lebte— er nicht, ob sie noch am Leben waren und ob ihr Haus noch stand. Außerdem wollte er ihnen— und allen anderen in seiner Straße— so gern zeigen, daß wir,
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