17. Oktober
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Thorak ! Der ,, offizielle" Bildhauer des Dritten Reiches . Ich entsinne mich seiner noch recht gut aus dem Romanischen Café in Berlin . Vor 1933. Ein Streber, der nichts unversucht ließ, um die Kunstkritiker für sich zu gewinnen, sie wohlwollend zu stimmen, der es auch nicht verschmähte, recht bedeutende Beträge von jüdischen Mäzenen anzunehmen und der außerdem wer weiß was darum gegeben hätte, um bei Flechtheim ausstellen zu können.
Jetzt aber: Lehmbrucks Das war allerdings vor Hitler.- Genie wird nicht anerkannt, Barlach ist in den Tod getrieben, doch Thoraks Stern steigt höher und immer höher- bis zur höchsten Sprosse seiner allerhöchsten Leiter in seinem riesigen Atelier. Höher aber, über diese Sprosse hinaus, wird er allerdings niemals steigen können...
Ob er das nicht auch selber spürt? Ob er nicht auch selber weiß, daß seinem Werk baldiger Untergang und schnelles Vergessen bestimmt sind?
,, Trahir ou pas trahir, that is the question*"* neulich, in einem Gespräch über Céline.
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sagte Swire
Das spiegelt sich auch in seinen Arbeiten immer deutlicher wieder: Denkmäler und Statuen von immer gewaltigeren Ausmaßen sollen über Thoraks Hohlheit hinwegtäuschen, doch sie demonstrieren nur um so nachdrücklicher die Fäulnis seines unwahrhaftigen Denkens. Wie klar und rein sind dagegen Fritzens kleine Plaketten aus Vught. Sie haben nichts von Fäulnis, weil er wahrhaft ist und außerdem ein großer Künstler. Warum kann ich wenn ich an ihn denke
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beklemmende Angstgefühl nicht loswerden?
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nur dieses
Vielleicht weil er selber mit dem Leben bereits abgeschlossen zu haben scheint?
Ich möchte ihm so gern noch sagen, daß er alles tun muẞ um durchzuhalten; ihm ans Herz legen, daß er das nicht nur sich selbst schuldig ist, sondern auch seinem Werk- und uns! Ich * ,, Verraten oder nicht verraten, das ist hier die Frage."
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