einige Male vorher? Warum ist er nicht ins Revier geflüchtet, zu Drost oder zu van Dommelen? Warum ließ er mich nicht sofort verständigen? Vielleicht hätte ich dann über Adi noch etwas für ihn erreichen können.- Die Art, wie er auf meine Vorhaltungen reagierte, beunruhigt mich: Er habe genug von dem ewigen Verstecken, das hätte ja doch alles keinen Zweck und so weiter! Also: ,, Schicksal nimm deinen Lauf". Haben wir ihn in den letzten Wochen etwa zuviel sich selbst überlassen? Ich glaube nicht. Er wußte, daß wir ihm alle immer und gern geholfen haben und es wieder getan hätten; er wußte, wo er sich stets verstecken konnte. Aber er ist müde geworden, und darum habe ich Angst um ihn.
16. Oktober
Die Entscheidung ist gefallen: Fritz geht nach Auschwitz . Nun sieht er selbst ein, wie verkehrt es war, sich nicht auch weiterhin zu wehren. Er versuchte zu lächeln, als wir darüber sprachen.
Habe dann noch einen letzten Versuch gemacht, um zu verhindern, daß er auf Transport geht, doch die Liste war bereits weitergegeben, schon nicht- mehr beim ,, Arbeitseinsatz". Nun heißt es unwiderruflich: Auschwitz ! Schlimmer konnte er es wirklich nicht treffen!
Ich fürchte, wir werden ihn nie wiedersehen; auch Eddy und Drost stehen ganz unter dem Eindruck der alarmierenden Nachricht. Er gehörte so zu uns, sowohl in Vught als dann auch später in Dachau . Von uns allen war er derjenige, dessen Gedanken sich stets in den höchsten Sphären bewegten, doch ohne daß er dadurch auch nur einen Augenblick lang den Kontakt mit der Realität verloren hätte. Er ist ein Aristokrat: sauber und vornehm. Er sah den Schmutz, der ihn umgab, nicht, wollte ihn nicht sehen. Er ist und bleibt- auch im Lager ein Künstler, ein Sucher nach Schönheit. Er teilt unsere politische Meinung und verteidigte sie leidenschaftlich gegenüber Dritten; er hat sie so tief ver
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