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zu zeichnen, wobei ich besonders betonte, daß er nicht nur ein bedeutender Holländer, sondern auch ein großer Europäer gewesen ist. Ich wies dann auf seine vielseitige Kenntnis der französischen, englischen, amerikanischen und schwedischen Literatur hin. Ich nannte ferner- besonders für A.- das Gedicht ,, Voor het Eeuwfeest van Friedrich Schillers geboorte"; leider kannte ich davon keine einzige Zeile mehr auswendig. Potgieter huldigte Schiller- genau wie auch Dante in seiner ,, Florence" vor allem als dem großen Vorkämpfer für Freiheit, Glaube und Vaterland. Sind nicht auch sein ,, George Wa shington " sowie ,, Abraham Lincoln " heute wieder Themen, die uns mehr denn je interessieren? Eine Bestätigung mehr, daß Potgieter auch als Dichter keineswegs veraltet ist. Ich geriet so in Begeisterung, daß ich ihn sogar unseren nationalen Freiheitsdichter nannte und ich bin bereit, diese Behauptung später gegenüber allen Freunden zu verteidigen.
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Als A. mich fragte, ob Potgieter auch ein guter Kenner der deutschen Kultur gewesen sei, antwortete ich, daß er das bestimmt war, daß aber seine Sympathie Amerika galt. Für das damalige, reaktionäre Deutschland fühlte er natürlich nichts, denn er hatte einen überraschend genau wie Bakhuizen scharfen Blick für die deutschen Zustände.
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( Meine größere Studie ,, Bakhuizen und Heine", an der ich arbeitete, als ich verhaftet wurde, hoffe ich später einmal beenden zu können.)
K.meinte zum Schluß noch, daß ihm Potgieters Poesie zu schwer sei. Ich erinnerte ihn an die Gedichte Paul Valérys, die er mit Recht so bewundert, sowie an Faust II, den er auch nicht ohne Kommentar lesen kann. Ebenso wenig übrigens wie Dante .
11. Oktober
Telders und ich haben in Vught oft über Potgieter gesprochen. Bei einer dieser Gelegenheiten und im Zusammenhang mit der großen Bewunderung des Dichters für die Amerikaner, besonders für die demokratischen Auffassungen der Concord- Gruppe,
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