7. Oktober
Im ,, Völkischen Beobachter" habe ich heute eine kurze Notiz gefunden, derzufolge es Hendrik de Man gelungen ist, glücklich die Schweizer Grenze zu überschreiten, obwohl ihm die französischen Partisanen auf der Spur waren.
Ich ließ es auch W. B. lesen, denn: der Vorsitzende der Zweiten Internationale auf der Flucht vor französischen Arbeitern, von ihnen gehaßt und verfolgt ist das kein tieftragisches Symbol, ein Drama von geschichtlicher Bedeutung?
10. Oktober
Gestern war ich an der Reihe, einen ,, Vortrag" zu halten, und darum habe ich bei uns in der Stubenecke zwischen den Betten, so gut es eben ging, über Potgieter gesprochen. Merkwürdig- ich verspürte selbst so etwas wie nationale Verantwortung, als ich von diesem Dichter berichtete, den ich, obwohl einige Freunde( besonders Closset) anderer Meinung sind, für einen der größten holländischen Autoren des vorigen. Jahrhunderts halte.
Nach den Maitagen 1940 war Verweys ,, Leven van Potgieter" das erste Buch, das ich las- und wenn ich hier herauskomme, ' werde ich es wiederum lesen.
Ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist, unserem ,, Klub" einen Eindruck von Potgieters Kunst zu vermitteln, denn sein Werk wird Ausländern wohl stets unzugänglich bleiben. Es wäre vielleicht zu übersetzen, aber erstens ist das außerordentlich schwer, und zweitens müßten Werke wie ,, Gedroomd Paardrijden" oder., De nalatenschap van een Landjonker" auch mit so ausführlichen Kommentaren versehen werden, daß dafür ein ganzes Potgieter- Studium erforderlich wäre. Übrigens wird auch dann noch für Nicht- Holländer das typisch Holländische seiner Kunst kaum nachzuempfinden sein. Ich habe gestern versucht, ihn als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der europäischen Romantik- neben Multatuli-
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