,, Toller scheint im Zuchthaus gewaltig um sich gebissen zu haben“, berichtete Heini ,,, denn als ich 1935 in Niederschönefeld saß, also mehr als zehn Jahre nach ihm, warnte mich einer der Aufseher, mich ja nicht etwa, wie der rote Toller zu benehmen. Weißt du übrigens, daß Toller 1919 Kommandant der Stadt Dachau war und sie leider erfolglos verteidigt hat?"
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Auch daran erinnerte ich mich, ebenso an eine Broschüre voller Vorwürfe über Tollers mangelhafte militärische Qualitäten Vorwürfe, die wahrscheinlich gerechtfertigt waren, aber die seinen Ruhm doch keinerlei Abbruch tun können.
Dieser Dichter wird ewig leben, er wird unvergessen sein und bleiben, weil er sich für die Rechte seines Volkes eingesetzt, für sie gestritten und gekämpft hat, 1919 und auch später, sein ganzes Leben lang- bis zu seinem Tode.
Und Bayern ist nicht nur das Land der Reaktion, nicht nur das Land der Konzentrationslager. Auch hier in Bayern wurde für die Freiheit gekämpft, geblutet und gestorben; von Landauer und Eisner, von Leviné und Mühsam und von zehntausenden Unbekannten.
Es tut gut, hier in Dachau wieder einmal daran zu denken. Das gibt neuen Mut, neues Vertrauen.
Nach dem Appell
Auch der Reichstagsabgeordnete Hans Beimler war ein Bayer; er floh bereits im Jahre 1934 aus dem hiesigen Lager( das ging also damals noch!) und veröffentlichte das erste Buch darüber: ,, Die Hölle von Dachau!"
Der Gedanke, daß wir nun hier in dieser Hölle sitzen, ist so unwirklich, daß ich heute eigentlich zum erstenmal wieder an Beimler denke. Und meine ersten Gedanken hätten doch ihm gelten müssen, denn er war der erste, der über Dachau geschrieben hat!
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Wie viele von denen, die damals glaubten, daß alles, was in diesem Buch steht, ja doch nur ,, Greuelpropaganda" sei, mußten inzwischen und müssen noch täglich- die Wahrheit seiner Worte am eigenen Leibe spüren?
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