24. September
Nochmals lange und ausführlich mit Heini über Landauer gesprochen. Im April waren es genau fünfundzwanzig Jahre, daß er in Stadelheim - kaum dreißig Kilometer von hier- ermordet wurde. Bayern war damals im Aufstand, und kurze Zeit schien es, als ob sich Deutschland der russischen Revolution anschließen würde. ,, Hier in Bayern ", erzählte Heini, glücklich, mit mir darüber reden zu können ,,, hat es damals in Augsburg angefangen, unter Führung von Ernst Nikisch." Derselbe Nikisch übrigens, der jetzt bereits seit Jahren als Gegner des Nationalsozialismus irgendwo in einem KZ sitzt. Damals stand er an Kurt Eisners und Landauers Seite. Landauer scheint anfangs ein überzeugter Pazifist gewesen zu sein, der in seinem ,, Aufruf zum Sozialismus" die marxistischen Auffassungen bekämpfte. Aber in den damaligen Apriltagen stellte er sich an die Spitze der Arbeiter.
,, Ich kann mich noch sehr genau an ihn erinnern", fuhr Heini fort ,,, besonders an eine Versammlung in einem der Säle des Wittelsbacher Palastes; da stand Landauer, und seine hagere Gestalt, sein schwarzer Bart und seine dunklen, funkelnden Augen stachen merkwürdig von den weißen Tapeten und den weißen Möbeln mit ihren goldenen Verzierungen ab.- Und als sie ihn dann Ende April 1919 totschlugen, war es. für mich, als ob ich meinen Vater verloren hätte."
Die Mörder wurden natürlich niemals gefaßt oder gar bestraft, obwohl ihre Namen bekannt waren. Das war schon damals so!
,, 1933 haben, sie' seine Leiche ausgegraben und verbrannt", erzählte Heini noch ,,, aber ich bin fest davon überzeugt, daß ihn viele Freunde in Bayern noch nicht vergessen haben- ihn nicht und die anderen nicht."
,, Welche anderen?" fragte ich.
,, Erich Mühsam zum Beispiel, der auch mit uns zusammen gekämpft hat, der dann viele Jahre im Zuchthaus Niederschönefeld saß und den, sie'- denn sie vergessen nichts und niespäter, als sie die Macht ergriffen hatten, ermor
manden
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