21. September
Blut gespendet für einen Jugoslawen. Dreihundert Kubik
zentimeter.
Adi hat die Transfusion gemacht, so daß alles gut ging.
Ich fürchtete schon, daß es vielleicht der SS - Arzt tun würde; der hat Lazus, der gestern auch Blut gespendet hat, so zugerichtet, daß er den Arm kaum bewegen kann und ihn in einer Binde tragen muß.
22. September
Der Bibliothekar wird mir immer sympathischer. Er ist seit beinahe drei Jahren hier, aber wenn ich ihn in die Schreibstube gehen sehe, scheint es, als hätte er seine festen Gewohnheiten beibehalten. Er liest viel, besonders Kirchengeschichte, und ist außerordentlich pünktlich und
akkurat.
Auf dem Brettchen neben seinem Bett liegt, außer dem Buch von Sonnenschein, ein Werk über die heilige Theresia, und an der Wand ist mit Reißnägeln eine vergilbte Abbildung des Freiburger Münsters- ,, seiner" Kirche befestigt.
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aus
Das Elend um ihn herum sieht er zwar, will es aber Selbsterhaltungstrieb- lieber nicht in seinem vollen Umfang wahrnehmen. Doch konnte ich verschiedentlich beobachten, daß er aus seinen Paketen sehr viel verschenkt.
Abends
Während der ,, Mittagsruhe" habe ich heute Dr. A. wohl eine Stunde lang beobachtet. Er saß am Tisch und las, als der halbverhungerte Budapester Jude- der zwei Betten von mir entfernt liegt zu ihm kam und ihn um ein Stückchen Brot bat. A. war außerordentlich höflich, machte in seinem Buch an der Stelle, wo er beim Lesen stehengeblieben war, einen
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