,, Feiger Gedanken bängliches Schwanken, weibisches Zagen, ängstliches Klagen wendet kein Elend,
macht dich nicht frei.
Allen Gewalten
zum Trotz sich erhalten, nimmer sich beugen, kräftig sich zeigen,
rufet die Arme
der Götter herbei."
Eine Flucht in die Literatur? Ich kann das nicht so genau analysieren, aber eines weiß ich: daß ich dadurch niemals die Wirklichkeit vergesse. Dafür sorgt sie übrigens auch selbst...
20. September
Auf dem Brettchen rechts unter meinem Bett lag heute früh ein Buch von Carl Sonnenschein . Es gehört wahrscheinlich meinem ,, Untermann", den ich nur vom Sehen kenne, aber noch nie gesprochen habe. Er gehört zum Personal, arbeitet auf der Schreibstube und schläft nur hier. Nach dem Buch zu urteilen, ein Katholik.
Abends
Mit dem Untermann Bekanntschaft gemacht. Ich bat ihn, mir das Buch von Sonnenschein zu borgen, und dadurch kamen wir ins Gespräch. Er wunderte sich, daß ich den Autor kannte, doch als er hörte, daß ich lange Zeit in Berlin gewohnt habe, war er nicht mehr so erstaunt. Sonnenschein war in Berlin auch bei Nichtkatholiken bekannt, besonders durch sein soziales Werk.
Dr. A. stammt aus Freiburg im Breisgau, war ursprünglich Historiker, ist aber jetzt Bibliothekar. Ich bat ihn, meine Kenntnisse der katholischen deutschen Literatur etwas vervollkommnen zu wollen; er hat diese Anregung sofort und gern aufgegriffen und schien sehr erfreut darüber.
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