seiner Träume, daß er durch eine Revolution zu neuem Leben erwecken möchte, und dem Elend der deutschen Wirklichkeit, in dem zu leben er gezwungen war.
Wir müssen deshalb lernen, in Hölderlins Poesie den Notschrei der besten deutschen Denker und Dichter über ihre Einsamkeit zu hören- eine Einsamkeit, an der sie nichts ändern konnten, da diese, auch wenn sie sich in ihrem persönlichen Leben manifestierte, im Grunde durch den eisernen Zwang der gesellschaftlichen Entwicklung verursacht wurde. Und Keats? Und Shelley? Ich habe oft versucht, sie mit Höl derlin zu vergleichen, obwohl so etwas immer eine zweischneidige Angelegenheit ist. Keats' Schicksal zeigt aber tatsächlich auch schon rein äußerlich einige Ähnlichkeit mit dem Hölderlins; doch bei Shelley hat das elegische Element einen ganz anderen Charakter. Er besingt den Kampf der alten Götter gegen die neuen, den des gefesselten Prometheus gegen Zeus ; bei ihm wird bereits die Befreiung der Menschheit gefeiert. Shelley konnte das, weil er in England schon am fernen Horizont das Morgenrot einer kommenden Revolution zu sehen glaubte. Er schuf sein Werk mit einer ganz anderen Perspektive, fühlte sich dadurch dem Verlangen, das Tausende beseelte, aufs engste verbunden und vereinsamte nicht.
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Abends
Ich habe nun einige Tage lang versucht, mich mit dem Problem Hölderlin auseinanderzusetzen und es zu entwirren, und ich glaube, daß mir daß wenigstens für mich selbst- gelungen ist.
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Aber seine berühmte Anklage gegen die Deutschen ( im ,, Hyperion"), die in den letzten Jahren so oft zitiert wurde, die voll so bitteren, tödlichen Hasses ist, daß es den Dichter selbst geschmerzt haben muß, als er sie niederschrieb!
Müssen wir dieses Todesurteil über ein ganzes Volk nun bestätigen? Es ist so verführerisch, Hölderlin hat in so vielen Punkten recht. Und doch zweifle und zögere ich stets aufs neue. Ich kann und will nicht glauben, daß ein Volk in seiner
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