Druckschrift 
Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
Entstehung
Seite
104
Einzelbild herunterladen

Ihr nicht zu folgen, führt oft zum Untergange, doch ihr zu folgen, wohl auch."

Und sehr bald kommt es zur Katastrophe mußte es wohl kommen. Die Aufständischen erobern, nach einigen kleineren Gefechten, Misistra, das frühere Sparta, doch nach der Belagerung werden viele Einwohner getötet, und es kommt auch zu Plünderungen. Enttäuscht wendet Hype­rion den Rebellen den Rücken: ,, In der Tat! Es war ein außerordentlich Projekt, durch eine Räuberbande mein Ely­sium zu pflanzen." Bald darauf werden die Rebellen ge­schlagen und auseinandergejagt. Hyperion sucht und findet zum Schluß den Tod in den Kämpfen mit der russischen Flotte...

-

Es zeigt sich, daß Hyperion- wie auch jetzt noch viele Dichter und Intellektuelle bang war vor der revolu­tionären Methode. Aber ich glaube nicht, daß er bang war vor dem revolutionären Ergebnis! Auch hierdurch unter­scheidet er sich wiederum vorteilhaft von den meisten seiner Zeitgenossen.

Vielleicht werde ich später, nach dem Krieg, auch Hyperion mit anderen Augen lesen, aber jetzt hier in Dachau - neige ich zu dieser Interpretation.

-

16. September

-

-

Hölderlin konnte sich auch das notierte ich in meinen Auf­zeichnungen in St. Gilles mit seinen Ideen über Freiheit und Zukunft weder als Deutscher noch als Dichter auf irgend etwas stützen.

Die Jakobiner, seine französischen Freunde, schöpften ihre Kräfte aus ihrer Verbundenheit mit einem großen Teil des französischen Volkes, genau wie jetzt die Partisanen in ihrem Kampf gegen die deutsche Besatzung und gegen Vichy. Höl­ derlin fühlte sich mit nichts und mit niemand verbunden, weil nichts und niemand da war, das oder der sich mit ihm ver­bunden hätte.

104