sicht der herrschenden Klasse" durchzublättern, das, wenn ich mich nicht irre, bereits 1927 erschienen ist. Damals war von Hitler noch keine Rede, denn der deutsche Faschismus hat ja
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offiziell wenigstens erst 1933 angefangen. Aber die Fratzen, die Grosz zeichnete, die Grausamkeit und die Habsucht, vor der er warnte, waren bereits das wahre Gesicht der Pioniere des Faschismus jener Hugenbergs und Stinnes, der Krupps und Thyssens, der Großgrundbesitzer und der korrupten Justiz, das der ehrsüchtigen Generäle- waren das treue Abbild derjenigen, die Hitler in den Sattel halfen. In Deutschland Hitler , in den anderen Ländern dessen Filialleiter...
Überall dieselben Fratzen, die George Grosz ' Genie mit prophetischer Sicherheit anprangerte, brandmarkte aber die ,, man" weder sehen noch erkennen wollte...
Abends, nach dem Appell
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Heini zeigte mir heute einen Häftling vom ,, Plantagenkommando", der noch vor einigen Jahren bei den Oberammergauer Festspielen den Christus gespielt hat, aber später wegen illegaler Tätigkeit verhaftet wurde.
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Ich bin sofort bei Hoornik gewesen, um es ihm zu erzählen. Wenn das kein Stoff für ihn ist: Christus in Dachau !- Von der Gestapo arretiert!
Was ist daraus nicht alles zu machen! Hoffentlich verarbeitet er es. Ein Dichter wie er, der den ,, Matthäus" geschrieben hat, muß das können.
Und vielleicht wird er sich dadurch etwas weniger mit dem Tod und den Toten beschäftigen.
14. September
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K. hat mir heute wiederum einen Völkischen Beobachter" mit einem Artikel über Hölderlin gebracht. Bereits der vierte in dieser Woche, außer dem Artikel in der ,, Münchener", den
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