-, nur ein leidenschaftlicher Sucher nach Schönheit. Schon sehr bald mußte er erkennen, daß er der italienischen Malerei nicht gewachsen war, daß er ihr gegenüber ein passiver Zuschauer bleiben müßte, der niemals imstande sein würde, die Schönheit dieser Klassiker, den Charme der Florentiner mit seinen eigenen Möglichkeiten, mit seinem Traum in Einklang zu bringen. Ein Gefühl völliger Ohnmacht überwältigte ihn, Verzweiflung über die elende Machtlosigkeit seines Künstlertums. Er konstatierte, daß er von vorn beginnen müsse, von der Pike auf umlernen, aber auch, daß er nicht zum Chamäleon werden, niemals diese Kunst einfach nachahmen dürfe. Er begriff, daß er auch hier als Deutscher zu sehen und zu fühlen hätte und nicht etwa wie die Italiener oder die alten Griechen.
In diesem heroischen Kampf um ein Neubeginnen- nicht nur seiner eigenen Kunst, sondern der gesamten deutschen Malerei, in diesem Kampf ist er gefallen.
Mußte er wohl fallen...
Abends nach dem Appell
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Ausführlich mit Wollheim, dessen Frau Privatsekretärin des Kunsthistorikers Meyer- Graefe war und der selbst- obwohl er von Beruf eigentlich Musiker ist, im Furtwängler- Orchester spielte auch ein guter Kenner und großer Liebhaber der Malerei ist, über von Marées und dessen Werke gesprochen. Er erinnerte sich, daß tatsächlich Fresken von M. in Schleißheim sind, aber er hatte hier in Dachau nie mehr daran gedacht, so daß meine Mitteilung großen Eindruck auf ihn machte. Er erzählte mir noch, daß Meyer- Graefe einmal im Laufe eines Gespräches erklärt habe:„ Die Höhe einer Epoche deutschen Geisteslebens wird von der Frage bestimmt werden, inwieweit Marées für aktuell gilt." Ein höchst merkwürdiger und interessanter Ausspruch! Besonders auch im Hinblick auf Kuttners Buch, der gerade das kulturpolitische Problem bei Marées viel eingehender und gründlicher behandelt hat als irgendein anderer von dessen Biographen.
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