sellschaftliche Verarmung, wodurch die Kräfte und Energien der Deutschen stets auf das Notwendigste gerichtet sein mußten, völlig absorbiert wurden durch die Sorge für den nackten Lebensunterhalt, für die notwendigsten Dinge des täglichen
Lebens.
-
Schuld daran ist auch ihre Vorliebe für strengste Disziplin, -die ihnen von frühester Jugend an immer wieder eingeschärft wird das ihnen zur zweiten Natur gewordene Bedürfnis zu gehorchen, und ihr fester Glaube an jede ,, Obrigkeit "... alles Eigenschaften, die ein Holländer nicht begreifen kann und will und noch weniger akzeptiert!
Unwillkürlich fällt mir dabei eine Anekdote von Karl Radek ein, der von einem sozialdemokratischen Funktionär zu erzählen pflegte, der in den Novembertagen 1918, als die Berliner Arbeiter das Reichstagsgebäude erstürmen wollten, auf einen Laternenpfahl geklettert sei und, so laut er konnte, gerufen habe: ,, Aufpassen, Kameraden, nicht auf den Rasen treten!"
1. September
Im Laufe eines Gespräches über deutsche und österreichische Literatur, ein Thema, das wir immer wieder anschneiden, wies Rheinhardt heute darauf hin, wie wichtig für ganz Europa eine freie österreichische Literatur auch in Zukunft wieder werden wird, da der Weg vom Südosten zum Westen über Österreich führt. ,, Wir haben auch früher den Deutschen viel Wissenswertes beigebracht, das sie ohne uns niemals gelernt hätten", meinte er. ,, Was hätten sie zum Beispiel ohne die österreichische Literatur von den Ungarn , von den Tschechen oder von den Rumänen gewußt?"
Ich glaube, er gebrauchte hier ein vortreffliches Argument, denn Österreich spielte tatsächlich die Rolle eines Vermittlers zwischen zwei Kulturen, und nun, da Osteuropa wichtiger denn je werden wird, dürfte die österreichische Literatur auch auf diesem Gebiet wieder eine große Aufgabe zu erfüllen haben.
88


