wohnten meine Vorfahren seit 1700 als kleine Hausweber in Hirschdorf bei Warmbrunn.
Diese merkwürdige Tatsache, die ich nicht kannte, als ich, Die Weber schrieb, war wahrscheinlich die eigentliche Veranlassung für dieses Werk. Außerdem bin ich als Kind jahrelang in den Hütten der Weber von Niedersalzbrunn ein- und ausgegangen, ohne mich von den anderen Kindern des Dorfes zu unterscheiden. So kam es, daß ich mich mit meinem ganzen Herzen in den Hütten und in den Seelen der Weberfamilien heimisch fühlte. Grüßen Sie die Weber des Eulengebirges von mir, und sagen Sie ihnen, daß ich hoffe, sie nach den vielen, vielen Jahren recht bald einmal wieder besuchen zu können
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Gerade als ich die letzten Worte notierte, wurde gepfiffen, und wir mußten uns beeilen, um noch rechtzeitig unsere Baracken zu erreichen.
23. August
Gestern abend im Bett noch lange an meine Unterhaltung mit Karl denken müssen, an den Brief und an seine Haẞliebe für Gerhart Hauptmann . Dieser Dichter hat den Nazis etwas sehr Kostbares gegeben: seinen Namen. Der wird nun für immer diesen Makel tragen!
Doch das gewaltige Werk, das er uns schenkte, müssen wir trotzdem wie einen kostbaren Besitz hüten- darin stimme ich vollständig mit Karl überein- und es, wenn nötig, auch gegen alle diejenigen verteidigen, die es aus kleinlichem Chauvinismus vielleicht angreifen oder herabsetzen werden.
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Übrigens hat mir neulich Adi erzählt, daß die Russen voriges Jahr zu einem Zeitpunkt also, als die Deutschen dicht vor Moskau standen im Stanislawski- Theater Gerhart Hauptmanns Drama ,, Vor Sonnenaufgang " gespielt haben!
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* Die Originalabschrift dieses Briefes ist leider in Dachau verlorengegangen, und ich habe den Inhalt einige Tage später aus dem Gedächtnis neu aufgeschrieben.
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