Er war sehr erregt, und es war deutlich zu merken, wie wichtig ihm diese Angelegenheit und dieser Augenblick waren.
,, Berichte später deinen Freunden", fuhr er mit betontem Ernst fort ,,, daß, unser' Hauptmann der echte Hauptmann ist, der dieses Briefes und der der ,, Weber"- nicht aber der, für den Goebbels jetzt Reklame macht. Das mußt du ihnen vor allem sagen, wenn sie auf ihn schimpfen sollten.
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Ich weiß, was du jetzt sagen willst, daß ich ja selbst auf ihn schimpfe aber das tue ich doch, weil ich ihn so sehr bewunderte und noch bewundere. Und darin liegt der große Unterschied. Auch die anderen sollen und können ihn wegen seiner Freundschaft mit den Nazis verurteilen, aber seine Bücher müssen sie trotzdem lesen, und auch seine Theaterstücke sehen!"
,, Ich werde es ihnen sagen, Karl, sobald ich hier heraus bin. Das verspreche ich dir!"
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Er reichte mir die Hand, und ich fühlte, daß sie zitterte. ,, Tu das! Hilf mir dabei und ich werde dir hier helfen, soviel ich kann: Mit Schuhen oder Sohlen oder Riemen. Wir müssen der Welt später beweisen, daß aus diesem Brief der , echte' Gerhart Hauptmann spricht!
Und sage deinen Freunden dann, daß sie alles andere so schnell wie möglich vergessen sollen. Sag ihnen, daß er damals schon über achtzig war, daß..."
Aber ich hörte nicht mehr hin, ich war schon beim Abschreiben des Dokumentes, des Briefes von Gerhart Hauptmann , der wie folgt lautete:
,,, Der Proletarier aus dem Riesengebirge ' hat mich um einen Beitrag gebeten. Nach dem Beitrag, den ich vor vierzig Jahren schrieb*, bleibt nicht mehr viel zu sagen übrig. Meine Studienreise nach den verschiedenen Weberdörfern wurde des öfteren beschrieben. Sie steht mir noch deutlich vor Augen, doch ich hätte daraus nichts Neues gelernt, wenn ich nicht selbst Weberblut mitgebracht hätte. Wie ich nun festgestellt habe,
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